Stellungnahme der Geflüchteten zum Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 9. August 2013

Wie bekannt, protestieren wir seit dem 17. Juli friedlich vor dem Integrationsministerium in Stuttgart für unser grundlegendes Recht auf ein Leben in Würde. In den 8 Monaten davor haben wir bereits im uns zugewiesenen Main-Tauber-Kreis auf unsere Situation aufmerksam gemacht.

die Stuttgarter Zeitung titelte am 9.8: Eskalation vor dem Integrationsministerium?

die Stuttgarter Zeitung titelte am 9.8. auf Seite 5: „Eskalation vor dem Integrationsministerium?“

Am gestrigen Freitag, 9. August, erschien in der Stuttgarter Zeitung (StZ) ein Artikel mit dem reißerischen Titel „Eskalation vor dem Integrationsministerium?“. Darin wird behauptet, dass wir von einem „radikalen Aktivisten“ angestachelt und geführt werden. Gleichzeitig wird infrage gestellt, dass wir noch „Herren [unserer] Entscheidungen“ sind.

Seit Beginn unseres Protests stehen wir in Kontakt mit Geflüchteten aus anderen Lagern in Baden-Württemberg und Deutschland, da uns grundsätzlich ähnlich schlechte Lebensbedingungen verbinden. Auch der von der StZ genannte Arash war hier, um uns seine Solidarität zu zeigen – wie viele andere Geflüchtete auch.

Allerdings ist Arash bereits seit einer Woche nicht mehr in unserem Camp, was die Journalistin Tanja Kurz bei besserer Recherche auch selbst hätte herausfinden können. Auch wenn es eigentlich selbstverständlich sein sollte, weisen wir an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass wir keinen Anführer nötig haben und auch Arash zu keinem Zeitpunkt diese Rolle inne hatte. Die einzigen, die bei uns bisher nach einem Anführer gefragt haben, sind Polizeiführung und Presse. Wir kennen unsere spezifischen Probleme selbst am besten, diskutieren unser Vorgehen in der Gruppe und treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Daher fordern wir die StZ an dieser Stelle auf, diese Richtigstellung zu veröffentlichen und zukünftig ihren Selbstanspruch als „unabhängige Zeitung für Baden-Württemberg“ auch umzusetzen.

Der Versuch Protestbewegungen in gute und schlechte Strömungen zu teilen ist nicht neu. Ganz ähnlich wurde der Hungerstreiks in München durch die Presse dargestellt: Einzelne „radikale Rädelsführer“ würden den Protest instrumentalisieren (siehe http://www.taz.de/!119082). Die Tatsache, dass wir Geflüchtete uns selbst organisieren und selbstbestimmt unsere Rechte einfordern, scheint vielen immer noch unvorstellbar.

Weiterhin entspricht der Wunsch der StZ nach Eskalation schlichtweg nicht den Verhältnissen vor Ort. Wir stehen permanent im Gespräch mit der Stadt Stuttgart, demonstrieren friedlich und werden unseren Protest auch weiterhin auf diese Weise fortsetzen. Während in der Redaktion der StZ Donnerstag Abend über Eskalation fantasiert wurde, haben wir zusammen mit vielen Freund_innen aus Stuttgart ein fröhliches Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert.

Heute (Samstag) Nachmittag wollen wir bei einem Straßenfest mit Essen und Musik über unsere Situation informieren. Alle sind herzlich eingeladen!

Unsere Forderungen:

1) Die Abschaffung des Sachleistungsprinzips
2) Arbeitserlaubnis für alle!
3) Die Abschaffung der Lagerpflicht
4) Uneingeschränkte medizinische Behandlung
5) Die Möglichkeit die deutsche Sprache zu lernen
6) Stopp aller Abschiebungen
7) Bleiberecht für alle
8) Die Diskiminierung von Geflüchteten muss aufhören
9) Die Abschaffung der Residenzpflicht!

Kontakt:
refugeesmaintauber@riseup.net
Tel.: 015212252097 (Mian), 015216256902 (Imran)
facebook.com/RefugeeProtestStuttgart
refugeeproteststuttgart.wordpress.com

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One response to “Stellungnahme der Geflüchteten zum Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 9. August 2013”

  1. refugeeproteststuttgart says :

    Richtigstellung auf S.4 der StZ-Montagsausgabe:

    Asylbewerber
    Flüchtlinge: Haben keinen Anführer

    Die dem Main-Tauber-Kreis zugewiesenen und vor dem Integrationsministerium in Stuttgart gegen ihre Unterbringung protestierenden Flüchtlinge weisen zurück, von einem Aktivisten angeleitet zu werden.

    ‚Seit Beginn unseres Protestes stehen wir in Kontakt mit Geflüchteten aus anderen Lagern in Baden-Württemberg und Deutschland‘, heißt es in einer Mitteilung der Gruppe. Auch Arash Doosthossein sei da gewesen, ‚um uns seine Solidarität zu zeigen‘. Er sei aber schon seit einer Woche nicht mehr im Camp. Die Gruppe habe keinen Anführer nötig. Arash habe diese Rolle auch nicht innegehabt. ‚Wir stehen permanent im Gespräch mit der Stadt Stuttgart, demonstrieren friedlich und werden unseren Protest auch weiterhin auf diese Weise fortsetzen‘, heißt es in der Erklärung.

    Die StZ hatte über die Aktivitäten des Iraners Doosthossein berichtet, der an zahlreichen Flüchtlingsprotesten an verschiedenen Orten in Deutschland maßgeblich beteiligt war und ist. StZ

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